Vergangene Tagungen

Tagung 2008

Maß, Zahl und Geometrie in der Vor- und Frühgeschichte -
Anfänge der Mathematik und der Astronomie

Tagung des Museums für Vor- und Frühgeschichte, Staatliche Museen zu Berlin und der Gesellschaft für Archäoastronomie e.V.


Ort und Zeit:

Museum für Vor- und Frühgeschichte, Schloss Charlottenburg, Langhansbau, 14059 Berlin, 24.-26. Oktober 2008.


Endgültiges Tagungsprogramm (Stand 22.9.08)


Freitag, 24.10.2008

15.00 Begrüßung und Einführung
Matthias Wemhoff, Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte Berlin
Theodor Schmidt-Kaler, 1. Vorsitzender der Gesellschaft für Archäoastronomie
 
Ab 15.00 Uhr: Sektion Paläolithikum und Neolithikum Theodor Schmidt-Kaler (Würzburg) Der Homo erectus und die Ursprünge von Zahl und Rechnen
Sektion Paläolithikum und Neolithikum Michael A. Rappenglück (Gilching) Homo mathematicus: Urformen von Geometrie, Arithmetik und Messkunst im Paläolithikum
Pause    
20.00 Burkard Steinrücken (Recklinghausen) Öffentlicher Abendvortrag:
Stonehenge – Himmelsscheibe – Hoheward. Horizontastronomie damals und heute

Der Vortrag findet im Eugen-Paul-Wigner-Gebäude der TU Berlin (Hardenbergstr. 36), Hörsaal EW 203 statt.

Samstag, 25.10.2008

10:30-13:00 Sektion Neolithikum und Metallzeiten:    
Sektion Neolithikum und Metallzeiten: Ralf Koneckis (Dortmund) und Theodor Schmidt-Kaler (Würzburg) Der astronomisch-kalendarische Gehalt der Ornamentik auf den Menhiren der Salzmünder Kultur
Sektion Neolithikum und Metallzeiten: Aleksandar Durman (Zagreb) Calendrical Interpretations of the Symbols of the Vucedol-Culture
(Kalendarische Interpretationen der Symbole der Vučedol-Kultur)
13:00 Uhr: Mittagspause Mitgliederversammlung der Gesellschaft für Archäoastronomie  
Sektion Neolithikum und Metallzeiten: Burkard Steinrücken (Recklinghausen) Geometrische Betrachtungen zur Auszeichnung des 51. Breitengrades in der Archäoastronomie
Sektion Neolithikum und Metallzeiten: Rahlf Hansen (Hamburg) Wege des Wissens – babylonisches Wissen auf europäischen Wegen?
13.00 Mittagspause und Mitgliederversammlung  
15:00-17:30 Sektion Metallzeiten    
Sektion Metallzeiten Leonid Marsadolov (St. Petersburg) Paläoastronomische Aspekte des großen Kurgans von Salbyk in Chakassien
Sektion Metallzeiten Dieter Lelgemann (Berlin) Das antike Längenmaßsystem

Sonntag, 26.10.2008

09:00-14:00 Sektion Historische Kalender:    
Sektion Historische Kalender: Joachim Friedrich Quack (Heidelberg) Der ägyptische Kalender
Sektion Historische Kalender: Lis Brack-Bernsen (Regensburg) Der babylonische Kalender
Sektion Historische Kalender: Jürgen Tubach (Halle) Der altiranische Kalender
Pause    
Sektion Historische Kalender: Matthias Albani (Friemar) Die Entwicklung des Kalenders im alten Israel
Sektion Historische Kalender: Theodor Schmidt-Kaler (Würzburg) Spuren des Henoch-Kalenders außerhalb Israels
Sektion Historische Kalender: Christine Rink (Hamburg) Der altarabische Kalender

Öffentlicher Vortrag Tagung 2008

Burkhard Steinrücken: Stonehenge - Himmelsscheibe - Hoheward - Horizontastronomie damals und heute (öffentlicher Vortrag)

Abstracts der Tagung 2008

Homo erectus und die Anfänge von Zahl und Rechnen. Die gravierten Knochen-Artefakte von Bilzingsleben - die ältesten Mondbeobachtungen der Menschheit

von Theodor Schmidt-Kaler, Margetshöchheim
Genauere Analyse des Knochen-Artefakts A1 von Bilzingsleben (370.000 Jahre vor heute) erweist dieses als hochsymmetrisch und führt zur Rekonstruktion des abgebrochenen Teils durch einen zweiten Fächer von sieben Geraden, insgesamt also 7 + 13 + 7 = 27 Geraden. Das rekonstruierte Gebilde (Abb. 6) vermittelt den Eindruck eines (abbrechenden) Zyklus, dargestellt in einem schmalen Band. Welches zeitliche Phänomen in der Umwelt der Bilzingslebener hatte 27 Teile oder Abschnitte? Die Antwort ist unerwartet eindeutig: nur der Mond mit seinen 27 Stationen in einem Sternmonat von 27 Tagen. Das Artefakt konnte für praktische und kultische Zwecke als „Kalender“ dienen. Der Aufsatz schließt mit einem Ausblick auf Konsequenzen für unser Bild von der Evolution des Menschen.  
Homo mathematicus: Urformen von Geometrie und Arithmetik im Paläolithikum

von Michael A. Rappenglück, Gilching
Die im 20. Jh. einsetzende Erforschung der Urgeschichte der Mathematik (Paläomathematik) zeigt, dass im Paläolithikum sich zugleich mit der Ausgestaltung des menschlichen Bewusstseins auch das abstrakte, arithmetische und geometrische Denken aus Vorformen im Tierreich zu Höchstleistungen entwickelt hat, die die Grundlage bereitet haben für die Mathematik eines Euklid. Die Studie belegt, wann, wo und wie im Paläolithikum (2,6 Ma-12 ka BP) die Wahrnehmung, das Nachdenken und die operational-metrologische Umsetzung von Formen (Geometrie) und Zählung (Arithmetik) evident werden.  
Stonehenge - Himmelsscheibe - Hoheward. Horizontastronomie damals und heute

von Burkard Steinrücken, Recklinghausen
Die Horizontastronomie basiert auf der Beobachtung der sich zyklisch verändernden Auf- und Untergangsrichtungen von Sonne und Mond. Auf diese Weise lässt sich z.B. das Sonnenjahr einfach und anschaulich bestimmen. Schon in prähistorischer Zeit wurde diese Beobachtungstechnik, die den natürlichen Landschaftshorizont oder aufgestellte Steine und Pfosten als Peilhilfe benutzt, angewandt. Da das mit der Horizontastronomie gewonnene Wissen Grundlage für die Zeitbestimmung, die Zeitordnung und das Kalenderwesen vieler Kulturen ist, ist sie auch eine uralte Kulturtechnik.  
Interpretation des Bauplans von Stonehenge als Abbild der Himmelskugel
für den 51. Breitengrad

von Burkard Steinrücken, Recklinghausen
Hat der 51. Breitengrad in der Archäoastronomie eine besondere Bedeutung? - Ein Grund dafür kann in der sogenannten "A = Symmetrie" gesehen werden: Das Nordazimut des Aufgangs der Sommersonne A gleicht der geographischen Breite des Standortes. Diese Idee in Verbindung mit der Technik des zeichnerisch sphärischen Rechnens führt zu einer erstaunlich konsistenten Deutung des Bauplans von Stonehenge, welches das herausragende archäoastronomische Objekt auf dem 51. Breitenkreis ist.
Bei der zeichnerischen Konstruktion wird der Satz des Thales benötigt und das im Thaleshalbkreis einbeschriebene rechtwinklige Dreieck lässt sich zu einer Raute mit der Innenwinkelpaarung 80°/100° erweitern. Die goldene Bush-Barrow-Raute, gefunden in unmittelbarer Nähe von Stonehenge, zeigt den für die A = Konstruktion von Stonehenge erforderlichen Zustand.
 
Wege des Wissens

von Rahlf Hansen und Christine Rink (Hamburg)
Ausgehend von der These, dass auf der Himmelsscheibe von Nebra die babylonische Plejadenschaltregel verschlüsselt ist, versuchen wir Zwischenstationen des Wissenstransfers von Babylon nach Nebra aufzuzeigen. Objekte aus Troja, Mykene und Bernstorf werden in diesem Zusammenhang diskutiert.
Des Weiteren wird ausgehend von unseren Thesen zur Entwicklung der bronzezeitlichen Astronomie untersucht, wie sich dies Wissen in verschiedenen Objektklassen nachweisen lässt. Die Zahlenkombination 32 / 33 spielt dabei eine herausragende Rolle. Es wird auch untersucht, wie in späteren Textquellen sich Anklänge an diese Astronomie finden lassen könnten.
 
Der Babylonische Kalender

von Lis Brack-Bernsen (Regensburg)
Dieser Artikel behandelt den babylonischen Kalender – er enthält aber auch Hinweise zur babylonischen Astronomie. Die babylonische Astronomie ist die früheste hoch entwickelte Astronomie der Welt, die durch schriftliche Zeugnisse (Keilschrifttafeln) dokumentiert ist. Dadurch haben wir Einsichten in die verschiedenen Entwicklungsstufen der babylonischen Astronomie bekommen. Die Bibliographie umfasst die wichtigsten neueren Arbeiten darüber.  
Einige Bemerkungen zum Qumran-/Henoch-Kalender

von Theodor Schmidt-Kaler, Margetshöchheim
Der 364-Tage-Henoch-Kalender bedarf einer mit der 7-Tageswoche kompatiblen Schaltung. Unmittelbar vor dem „Exodus aus Ägypten“ erhielt das Volk Israel einen neuen Kalender, den auf dem Sabbat basierenden, mit dem Venuslauf verknüpften Henoch-Kalender. Seine 70-Tage-Schaltung alle 56 Jahre ist in Ex 15,27; 24,1.9 angedeutet. Während sich in Mesopotamien und Ägypten kaum eine Spur dieses Kalenders findet, ist er in Mitteleuropa bereits 3300 v. Chr., in Westeuropa ca. 2800 v. Chr. nachweisbar. Vermutlich haben die Seevölker ihn im 13. Jh. nach Palästina gebracht.  
Der altarabische Kalender

von Christine Rink und Rahlf Hansen, Hamburg
Über den vorislamischen arabischen Kalender ist wenig bekannt und gehen die Ansichten weit auseinander. Wir gehen von verschiedenen Typen von Quellen (Koran, Gedichte, Inschriften, klassisch antike Überlieferungen, Münzen, andere Bildquellen und Ausrichtungen von Gebäuden) aus. Ältere Arbeiten zum Thema werden zusammengefasst. Abschließend wird die These aufgestellt, dass im alten Arabien ein lunisolarer Kalender in Gebrauch war, der nach der Plejadenregel geschaltet wurde. Zusätzlich unterstellen wir einen Sternkalender für das Sonnenjahr.  

Tagung 2006

Astronomische Orientierung und Kalender in der Vorgeschichte

Tagung des Museums für Vor- und Frühgeschichte, Staatliche Museen zu Berlin und der Gesellschaft für Archäoastronomie e.V.

Übersichten des Tagungsprogrammes 2006 und Kurzfassungen der Vorträge folgen demnächst.


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